Der Lange Ritt  - Gibraltar 1982

Am 05.07.1982 ging es los, meine Reisekasse betrug 800 DM. Reinhard kam um 8:00 nach Elze mit seiner BMW R 100 um mich abzuholen. Meine BMW R 75/5 hatte ich am frühen morgen schon gepackt. Als wir Elze verließen nieselte es noch mal, anschließend hatten wir den ganzen Tag nur Sonnenschein.

In Northeim ging es auf die A/ Richtung Süden. An einer Autobahnraststätte wollten wir uns ein paar Dänen anschließen, die auch in unserer Richtung unterwegs waren, es machte aber kein Sinn. Trotzdem, die Dänen dicke Maschinen fuhren - schlichen sie auf der Autobahn mit 100 km/h, dies war uns zu langsam. Wir fuhren als Durchschnittsgeschwindigkeit 130 – 150 km/h. Bis hinter Frankfurt blieben wir auf der Autobahn, dann ging ab Richtung Schwarzwald über Schauinsland nach Staufen im Breisgau, hier schlugen wir unser Zelt auf.

Am nächsten Tag ging es weiter durch die Schweiz, unser Tagesziel sollte die französische Grenze sein.  An einer Baustelle hatten wir einen Unfall, Reinhard hatte die rote Ampel zu spät gesehen und fuhr mich um. Ich war unter meiner BMW begraben und konnte mich selbst nicht befreien. Reinhard selbst lag selber und konnte mir nicht helfen. Aus einem Haus kam Leute die uns halfen - mich zu befreien. Die Maschinen mit dem gesamten Gepäck konnten wir nur zur Dritt anheben. Erst meine, dann die BMW von Reinhard. Mit der Ferse war ich unter dem Motor eingeklemmt gewesen. Wir machten einen Tag eine unfreiwillige Pause auf einem Campingplatz. Der Fuß schmerzte und war angeschwollen. An den Rippen und am Arm hatte ich blaue Flecken. Meine linke Packtasche war beschädigt und das Endstück meines Auspuffs war deformiert.

Am nächsten Tag ließen wir es langsam angehen und verließen den Campingplatz gegen Mittag. Um Genf machten wir einen großen Bogen, bei Annecy suchten wir uns einen Campingplatz für die Nacht.

Durch die französischen Alpen in Richtung Grenoble, Valence, Montelimar  ging es weiter. Als wir gegen Mittag aus den Alpen kamen wurde es langsam brütend heiß. Unsere Wasserflaschen waren schnell verbraucht.


Kurz vor Montpellier kamen wir in einen Stau, wir konnten nur im Schritttempo fahren. Die Motoren wurden so heiß, die Hitze flimmerte über unserem Tankrucksack, der Schweiß lief in Strömen. Es gab aber kein zurück, auf der Gegenseite war auch Stau.  Irgendwann erreichten wir eine Auffahrt, um aus dem Stau zu kommen und fuhren in verkehrter Richtung in die Auffahrt. Mit Glück konnten wir die Fahrbahn wechseln und ein schattiges Plätzchen suchen um Abkühlung zu bekommen. Ich wollte nur noch ein paar Meter weiterfahren und wollte deshalb den Motor nochmal starten, der Motor sprang nicht mehr an. Wir machten Pause und ließen die Maschinen abkühlen. In Sete verbrachten wir den darauffolgenden Tag auf einem Campingplatz.


Von Sete weiter Richtung Andora, am spanischen Grenzübergang in Andora wurde es wieder kühler über uns braute sich ein Gewitter zusammen. Wir hatten Glück und konnten trocken weiterfahren. Über Gerona erreichten wir Lloret de Mar, hier verbrachten wir die nächsten Tage. Wir trafen hier Bekannte von Reinhard aus Gifhorn. Der Campingplatz war zur Hälfte mit Motorradfahrern gefüllt aus allen europäischen Ländern, Engländer, Schweden, Holländer und Franzosen. Die größten Vertretungen waren die Deutschen und die Engländer. Die Holländer hatten Honda Gold Wings mit Hänger und überall Lämpchen, so etwas hatten wir noch nicht gesehen.

Als wir wieder einmal vom Strand zum Campingplatz wollten hatte Reinhard seinen Zündschlüssel im Sand verloren. Alles suchen half nichts, der Schlüssel war weg. Es blieb und nichts anders übrig als an der Uferpromenade die BMW kurzzuschließen, es hat niemand gestört. Wir hätten auch Diebe sein können.


Nach einer Woche, verließen wir die touristische Hochburg, wir hatten genug von diesem Trubel. Es war zwar sehr angenehm, tagsüber am Strand, abends in die Disko und dann Absacker auf dem Campingplatz.


Über Barcelona weiter auf der Küstenstraße, um mehr Kilometer zu machen sind wir kurzfristig auf die Autobahn. Hinter Tarragona hörte die Autobahn auf, nach einer Zwischenübernachtung erreichten wir meinen Bruder auf einem Campingplatz bei Valencia. Hier verbrachten wir die nächsten Tage. Reinhard hatte Problem mit dem Essen. Die Hitze hier war unglaublich, es wurde auch nachts kaum kühler.    


Nach Alicante fuhren wir durch die Sierra Nevada, dies ist eine wüsten ähnliche Hochebene kein Baum kein Strauch. Die Tankstellen sind rar. Nur brennende Hitze und ein scharfer Wind der wie ein Sandstrahlgebläse über die Hände pfiff. Trotz der Hitze fuhren wir mit Handschuh. Die Motoren waren wie sandgestrahlt kein Ölschmutz mehr, der gesamte Chrom total stumpf. Über Almeria weiter nach Málaga immer an der Küste lang.


Am nächsten Tag erreichten wir La Linea  -   Gibraltar , der Übergang war geschlossen, der gesamte Ort machte auf uns einen Eindruck einer großen Müllkippe. In einem Kaffee mit Blick auf den Felsen von Gibraltar machten wir Pause.

Über Tarifa Richtung Cádiz, hier suchten wir uns einen Campingplatz direkt am Strand. Hier waren nur noch ein weiteres deutsches Pärchen ein Franzose ansonsten nur Spanier. Ein Baguette kostet umgerechnet 10 Pf, kaum zu glauben. Hier habe ich in einer Bodega die beste Paella meines Lebens gegessen. Das Klima war hier total anders, nachts kühlte es sich ab, gegen morgen brauchte man wieder den Schlafsack. Das Meer war super sehr erfrischend und mindestens 2 m hohe Wellen.

Nach ein paar Tagen wurde wieder gepackt, aber erst mal mussten wir unsere Motorräder auf befestigten Untergrund bringen. Die Maschinen waren im Sand versunken und wir mussten Maschine für Maschine mit vereinten Kräften auf die Straße ziehen.  Von Cádiz fuhren wir nördlich Richtung Sevilla, dann erlebten wir die schlimmste Strecke auf unserer ganzen Tour. Zwischen Estepa und Granada nur Straßenausbesserungen, Schlaglöcher und Spurrillen, dass wir Angst hatten mit unseren Zylindern darin stecken zu bleiben. Wir mussten oft im Schritttempo fahren, an der Strecke konnten wir die Wracks von verunglückten LKWs sehen. Am Abend fielen wir erschöpft in unser Zelt.  Hinter Valencia erreichten wir wieder die Mittelmeerküste.

Auf dem Rückweg machten wir noch mal einen Zwischenstopp für ein paar Tage in Lloret de Mar. Die BMW wurde noch mal vollgepackt mit mehreren Liter spanischen Rum und Brandy.


Quer durch Frankreich über Lyon erreichten wir Mulhouse. In Freiburg auf der Autobahnraststätte wurde erst mal ein Jägerschnitzel gegessen. Auf der Rückfahrt gerieten wir bei Kassel in ein Gewitter wie ich es noch nie erlebt hatte. Es wurde stockfinster, der Regen prasselte nur so auf uns nieder, das Wasser stand auf der Autobahn. Die Autos suchten alle Parkplätze auf, nach einiger Zeit lief das Wasser mir in die Regenkombi. Die Sicht war so schlecht, man konnte noch nicht mal die Gegenseite sehen, ich orientierte mich an der Leitplanke.Vor Göttingen war der Spuk vorbei.


Als ich wieder in Elze angekommen hatte ich 6.973 km mehr auf dem Tacho. Ohne eine einzige Panne hatte neine treue BMW R 75/5 durchgehalten.