Pyreneäen  2003        

Im Sommer 2002 kamen mein Freund Norbert und ich auf die Pyrenäen zu sprechen. Aus den Schwärmereien wurden im Herbst konktete Pläne.



Wie alles anfing,  2002 waren Norbert und ich in den schönen Dolomiten als das Gespräch auf die Pyrenäen kam. Wir kamen ins Schwärmen, im Frühherbst wurde es dann konkreter und wir haben uns die ersten Gedanken gemacht. Wie kommt man dort am besten dort hin, Zug oder Bus (Motorrad-Shuttle). Auch wurde gefragt wer hat Erfahrungen, wer war schon mal in Pyrenäen,  auch wer hat Literatur oder Karten.

Ohne dass wir etwas dazu getan haben, waren aus 3 Personen schnell 8 geworden und als der 9. Nachfragte, haben wir dann gesagt mit 9 Fahrern o.k. – jetzt ist Schluss. Von den Motorrädern war es bis auf Ausnahmen alles Tourenmotorräder – keine reiskochenden Kurzstreckenbomber.

Wir hatten zwischenzeitlich aus dem Internet Erfahrungsberichte gelesen und so manches gehört, dass unser Unternehmen immer abenteuerlicher werden ließ…... gute Straßen & schlechte Straßen, keine 50 m ohne Kurven usw…. die Pässe sind nicht so hoch wie die Alpen, aber ziemlich steil. Die Serpentinen sehr eng und schwierig zu fahren, es gibt kaum Leitplanken. Allerdings überwogen, bildschöne Landschaften und verträumte Dörfer, die Zeit scheint stehen geblieben zu sein.



Endlich geht es los......

Endlich war es soweit, die ersten - die sich auf den Weg machten waren Carl und Ulli, sie hatten sich am Morgen bei Hannover getroffen und trafen um 11:30 bei mir in Alpsray ein. Fast zeitgleich kamen Norbert und Christian aus Steinfurt, auch sie waren schon eine Stunde unterwegs. Wir haben erst mal eine Portion Spagetti „Bolognese“ gegessen. Nach dem Mittagessen ging es dann auch für mich los zum nächsten Treffen, Balcke-Dürr in Ratingen.

Bei der Balcke-Dürr in Ratingen trafen wir noch Dirk, Marcus und Wolfgang, dann weiter zum Bahnhof für den DB-Autoreisezug, um 16:40 wurden die Maschinen verzurrt, Abfahrt war um 17:55, Ankunft in Narbonne um 09:46 am nächsten Morgen. Wir verließen Düsseldorf bei bedeckten Himmel und Nieselregen. Nachdem wir die Aussicht am Bahndamm genossen hatten, verbrachten wir noch ein paar Stunden bei ein paar Weizenbier im Speisewagen.


Verladen der Maschinen in Düsseldorf

Der DB-Autoreisezug läuft als Güterzug und fährt mal schnell mal langsam, mal steht der Zug. Dann werden auch mal Wagen ab- und angehängt, kurz gesagt - richtig schlafen kann man eigentlich nicht, man ruht mehr. Wenn man nicht von dem Gerappel wach bleibt, dann sind es die die schnarchenden Mitfahrer - die dafür sorgen, dass man nicht zur Ruhe kommt.  Ab 07:00 war alles auf den Beinen, nach der Morgentoilette – gab es DB-Frühstück. Wir hatten uns vorher mit Aufschnitt eingedeckt. Kleine O-Säfte hatten wir eingefroren und als Kühl-Akkus benutzt, Südfrankreich empfing uns mit strahlendem Sonnenschein.  Als wir in Narbonne angekommen sind, wurden mit einem separaten Bus zur Entladestelle für unsere Mopeds gebracht, einmal um den Bahnhof rum.



Im Autoreisezug Düsseldorf -Narbonne

Erst fuhren wir es noch durch eine Ebene, aber dann wurde es hügelig und die Abschnitte zwischen den einzelnen Dörfern wurden größer. Wir waren noch nicht lange unterwegs, da hatten wir ein Problem. In Frankreich haben die Tankstellen um die Mittagszeit zu. In den Dörfern gab es so gut wie keine Tankstellen und wenn,  waren die wie ausgestorben. Schließlich fragten wir und wurden in eine Nebenstraße verwiesen, dort sollte eine Tankstelle sein. Tankstelle war übertrieben, es war eine Zapfsäule an der Straße. Ein kleines schwarzes Mädchen betankte dann alle unsere 9 Maschinen. Norbert mit seiner 1100 S erreichte mit den letzten Tropfen Sprit die Tankstelle, wir hätten kein Dorf weiterfahren dürfen.



Aufröddeln in Narbonne

Weiter fuhren wir auf der D113 bis nach Couza Richtung Norden  auf der gut ausgebauten D118. In Limoux  Richtung Montjardin, hier wurden die Straßen eng es ging rauf und runter, eine Kurve nach der anderen. Plötzlich merkte ich, das mein Hintermann fehlt und ich drehte um, Christoph unser Jüngster hatte sich in einer Kurve hingelegt.

Er fuhr als 4. oder 5. Nachher erzählte er mir, er hätte in der Kurve am Motorrad nach unten geschaut. Dies hätte ihn komplett durcheinander gebracht. Dadurch wäre er nach außen getragen worden, hat die Kurvenbegrenzung berührt und ist weggerutscht. Gottseidank hatte Christoph nur ein paar schmerzhafte Prellungen und ein paar Schrammen an seiner TDM.

Wolfgang wollte die Unfallstelle sichern, merkte aber zu spät, dass er sich auf einer Schrägen befand, keinen Bodenkontakt hatte und kippte ebenfalls um. Wir machten erst mal eine kurze Rast dann saßen wir wieder im Sattel.

Es sollte nicht bei einem Sturz bleiben. In einem kleinen Tal „Georges de l’Aude“ machten wir eine Kaffepause bei einer Forellenzüchterei.


Immer tanken wenn sich die Möglichkeit gibt.....


Wir saßen bei Cola und Cappuccino schön draußen und ließen uns von der Nachmittagsonne verwöhnen, hier ließ es sich aushalten. Kaum waren wir wieder losgefahren, erwischte es Christian mit seiner 1100 RS. Ob es an der Straße oder am Reifen lag, konnte keiner sagen. In einer ziemlich leichten Kurve und ohne große Schräglage, zack Bum und er und Maschine lagen. Außer ein paar Schrammen, war die Jacke leicht angerissen, aber die Verkleidung und der Scheinwerfer waren defekt.  Warum Christian gestürzt war, konnte er und auch die anderen nicht sagen. Wie auch bei Christoph, waren andere bereits durch die Kurven gefahren und er fuhr nur hinter den anderen her. Durch die beiden unfreiwilligen Pausen hatten wir Zeit verloren. Weiter ging es über den Col de Espinas zum Col de St. Benoit

Um 17:30 erreichten wir den Col de Pailheres mit 2001 m Höhe einer der höchsten Pässe in den Pyrenäen, es war eine sehr schöne Anfahrt, die gut ausgebaute Straße schlängelte sich aus einem 

bewaldetem Tal immer weiter nach oben. Als wir höher kamen, hörten die Bäume auf und es war nur eine hügelige Grasfläche. In Narbonne war es noch brütend heiß, hier war es jetzt recht frisch.

Die Serpentinen waren großzügig ausgebaut.  Weiter hinauf zum  Col du Chloula, dies war für heute unser letzter Pass. Jetzt war es schon fast 18:30 Uhr und alle waren knorrig und abgebrasselt, der erste Kurvenrausch war vorbei und wollten zum Gasthof. Die Sonne verschwand teilweise hinter den Bergkämmen und da wo wir im Schatten fuhren wurde es empfindlich kalt. Bis nach Aulus les Bains mussten wir aber noch durch einige Täler fahren und kamen schließlich um 19:30 an.

Aulus les Bains, Gasthof les Qussailles war einfach und gut. Die Motorräder konnten wir in einer Garage ein paar Häuser weiter unterbringen. Das Dorf liegt in einen Talkessel, so dass die Sonne am Abend ziemlich schnell hinter den Bergen verschwindet.Nach seinem Sturz fuhr Christian nur noch extrem vorsichtig. Vor dem Essen wurde geduscht und die Motorräder die gestürzt waren genauer begutachtet. 

Wir waren um ca. 10:00 in Narbonne losgefahren, die Fahrstrecke waren nur ca. 330 km aber wir brauchten bis Alus les Bains aufgrund unserer Pausen gut 8 Stunden.Unser erster Abend in den Pyrenäen endete sehr feucht fröhlich, das Essen war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, dafür schmeckte der Wein sehr gut.  Ich glaube alle haben sofort geschlafen, es war ein aufregender und anstrengender Tag für uns alle.


Der erste Pass in den Pyrenäen

Unsere 2. Etappe lag vor uns, nach dem Frühstück welches wir draußen im Garten hinter dem Haus eingenommen hatten, begann das all morgendliche Rödeln. Alles musste wieder verstaut und auf den Motorrädern verzurrt werden. Mit den BMWs war dies kein großer Aufwand, rechts und links wurden die Packtaschen eingehängt, Tasche auf den Gepäckträger und Tankrucksack – fertig. Die anderen Kollegen hatten dies nicht so einfach. Nach einiger Zeit war aber alles eingespielt, man musste so packen, dass man an Regenkombi, dicke Handschuh und Pullover schnell herankommen konnte. Jeans, Hemd, T-Shirts usw… mussten allerdings wasserdicht verstaut werden.

Von unserem ersten Gasthof in Aulus les Bains fuhren wir jetzt auf der D8F in dem malerischen  Tal der Valee d’Ustou zum Col de la Trape der Pass war nicht besonders hoch, dafür landschaftlich sehr schön gelegen. Weiter ging auf der D3 über Oust nach St. Girons, wir fuhren jetzt auf der sogenannten „Route des Pyrenees“. Dies ist eine Strecke die an den Sehenswürdigkeiten vorbeiführt. Die gesamte Zeit war so gut wie kein Autoverkehr auf den Straßen, in den Ortschaften waren wohl einige Autos. Touristen gab es hier so gut wie keine. Die Straße schlängelte sich mal links an einem Fluss mal rechts an einer Felswand. Kurz hinter St. Girons ging es links auf die D 618 Richtung Gierp-Gaud  an einem Bergrücken machten wir einen Zwischenstopp. Hier war ein Gasthaus in dem wir bei Cola und Kaffee im Garten sitzen konnten.  Kaum hatten wir Platz genommen und unsere Getränke kamen, da kam eine verwilderte scheue Katze. Zu Anfang war die kleine Katze sehr drollig und wurde langsam zutraulich, einige wollten mit dem Kätzchen spielen. Plötzlich ein Aufschrei von Carl, das Tier steckt über und über voll von Flöhen, Läusen und weiteren Getier…  .



Tal von Aulus les Bains

Schnell ging es weiter, es ging über dem Col de Portet d‘Aspet dort bogen wir ab auf die D85 Richtung  Gierp-Gaud  zum Valee de Luchon. Wir näherten uns der spanischen Grenze und die Straßen wurden merklich schlechter, Ausbesserung an Ausbesserung. Dann ging es durch das Tal „Vallee de

Der Col de Tourmalet bedeutet „der ungünstige Umweg“ – fast bei jeder Tour de France ist diese Passhöhe dabei. Unter den Radfahrern heiß der Col de Tourmalet „der Pass der Leiden“ es gibt Strecken mit 17 % Steigung.  Mit 2.115 m einer der höchsten Pässe in den Pyrenäen, oben ist der Pass sehr krag. Es gibt so gut wie keine Bäume oder Sträucher, es ähnelnd mehr einer Mondland-schaft. Da es nieselte wurde nicht lange angehalten und es ging weiter Richtung „Luz St. Sauvereur“.

Christian verfolgte immer die Strecken die wir rausgesucht hatten, auf seiner Karte und versuchte uns zu überreden, dass wir doch auf den großen breiten gutausgebauten Straßen bleiben sollten. Nicht auf den kleinen kurvenreichen in meinen Karten weiß eingezeichneten Sträßchen. 

Im Gegensatz zu den Pässen in den Alpen sind die meisten Passhöhen oder Cols nur ein Schild. In den Alpen ist auf den Pässen ein Rasthaus oder bewirtschaftete Hütte, in den Pyrenäen gab es dies nicht. 

Mittags fing es an zu nieseln, jetzt spielten wir Maskenball. Kaum hatten wir alles wasserdicht, schon kam die Sonne heraus und wir füllten uns wie Wurst im eigenen Darm. Regenkombi aus, schon fing es schon wieder an zu tropfen. Das Problem ist, auf einer Motorradtour mit täglich neuem Quartier wird ein einmal nass gewordenen Stiefel oder Handschuh nicht mehr trocken. Deshalb muss man möglichst zu sehen nicht nass zu werden. Eine Regenkombi über eine nasse Lederkombi zu ziehen, ist eine Arbeit für jemanden der Vater und Mutter erschlagen hat. Die Regenkombi klebt am nassen Leder und es ist ein Ziehen und Zerren.



Kurven bis zum Abwinken........

Trotzdem dies hier jetzt nur eine Fahrstrecke von 240 km war, sind wir den ganzen Tag gefahren, wir kamen erst gegen 18:00 in Gavarnie an. Durch das häufige Regenkombi an – Regenkombi aus - hatten wir Zeit verloren. Es war ja Urlaub und wir wollten auch ein bisschen von der Gegend sehen. Das Hotel le Taillon, genannt nach höchstem Berg (3.114 m) hier in der Gegend, war schnell gefunden. 

Gavarnie ist ein Bergdorf mit 170 Einwohnern auf 1365 m Höhe, im Hochsommer ist Gavarnie von Touristen überlaufen. Wir wollten hier den „Cirque de Gavarnie“ (Felsenzirkus von Gavarnie) sehen. Der Felsenzirkus ist eine Gruppe von Bergen die fast senkrecht über 1.000 m ansteigen und eine Mauer, beziehungsweise ein unüberquerbares Hindernis bilden. Leider konnten wir nicht viel davon sehen, da die Regenwolken an diesem Tag extrem tief in diesem Tal hingen Erst am nächsten Morgen als wir weiterfahren wollten offenbarte sich die ganze Pracht. Gavarnie ist eine Sackgasse, das Dorf liegt Luftlinie ca. 3 Km von der spanischen Grenze.

Aufgrund der Lage werden im Sommer scharenweise Touristen in das kleine Nest Gavarnie gefahren, wir waren noch in der Vorsaison. Um nicht den Fußmarsch in das Tal zu machen kann man sich hier einen Esel als Reittier mieten.

Der nächste Tag sollte der Tag der gesperrten Pässe sein.   Nach einem französischen Frühstück, ein Gruission, Marmelade und ein Kaffee in dem der Löffel stehen bleibt.  Von Gavarnie fuhren wir auf der D921 nach Luz St. Sauveur. Eigentlich hatten wir geplant auf der D12 hoch über Luz Ardiden, eine Skistation zu fahren, aber die Straße war gesperrt.  In Argles Gazot sind wir abgebogen aud die D918 Richtung Col de Soulor  und weiter zum  Col d‘ Aubisque. Unsere Brotzeit zu Mittag haben wir auf einem schönen Parkplatz mit einer schönen Wiese zu uns genommen. Die Temperaturen klettert wieder und die lange Unterhose und der Pullover wurden ausgezogen. Auf dem Col de Soulor mussten wir feststellen das der Col d‘ Aubisque noch nicht geöffnet war. Also eine neue Route, umdrehen wollten wir nicht, es gab da noch eine Strecke auf der D 126 über Cap d’Aut nach Arboost, die Farbe (schwach gelb) habe ich vorsichtshalber keinem gesagt. Gesagt getan, landschaftlich einmalig, kein Auto weit und breit, wir hatten die Pyrenäen für uns allein.


kein Durchkommen, wieder ein Pass zu


Bei einem Überholmanöver machte Carl und seine Yamaha Bekanntschaft mit einer feuchten Wiese, außer Norbert hatte niemand dies bemerkt. Laut Carl hatte Norbert daran Schuld, da Norbert nicht überholen wollte.

In Arthez d’Asson mussten wir dann sogar auf eine Strecke mit der „weißen Farbe“  es war ein besser befestigter Feldweg durch Weinberge und Obstplantagen. In Mifaget erreichten wir wieder eine richtige Straße D35. Ab dem Ort Bielle waren wir wieder auf unserer ursprünglichen Strecke. Der kleine Umweg waren sicherlich 60 – 70 km gewesen. Über dem Col de Marie Blanque D294 erreichten wir die N 134 - welche Wohltat für geschundene Körperteile. Auf der GS, TDM oder der V-Strom saßen wir wie der König von Frankreich, Dirk hingegen hatte Probleme mit den Handgelenken, andere hatten Probleme mit dem Hintern.



Felsenzirkus von Garvanie


Etappe von Gavarnie nach St Engrace – die Strecke der geschlossenen Pässe 

Dann bogen wir ab auf die D 918 nach Arette, von hier aus ging es wieder hoch Richtung spanischer Grenze auf der kleinen D132. Kurz 

vor dem Grenzübergang links auf D 113 (weiß) zu unserem Tagesziel der St Engrace, ich erhielt einige Beschwerden keine weißen Strecken mehr zu fahren. Heute kamen wir etwas früher an und wir hatten noch Zeit einen kleinen Spaziergang durch das Dorf zu machen.

Im Hotel konnten wir kein Essen bekommen, da aufgrund eines Feiertages die Küche geschlossen hatte. Die andere Gaststätte hatte eine geschlossene Gesellschaft. Also blieb uns nichts weiter übrig, als zwei Orte weiter in einem Gasthof zu Abend zu essen. Mit Englisch ging hier garnichts mehr, also hat Christoph und Ullie mit ein paar Brocken spanisch und französisch heraus bekommen, es gibt zwei Menüs. Einmal als Hauptmahlzeit gegrillte Forelle oder gegrillte Füße vom Truthahn (?). Was sollte dies bloß sein, wir nahmen an   -     eine gerillte Truthahnkeule, wir sollten uns noch wundern.

Die Vorsuppe war O.K. als erstes kam die Forelle – ein bisschen klein, aber schön gegrillt mit viel Knoblauch - auch o.k. Dann kamen gegrillte Füße vom Truthahn. In einer großen silbernen Schale brachte die Bedienung ca. 30 - 40 brutzelig braun gegrillte Klauen vom Truthahn, Unterschenkel würde man sagen. Die gebogenen Krallen reckten sich nach oben, es sah grotesk aus. Wir die Fischesser konnten es uns nicht verkneifen „recht guten Appetit“ zu wünschen. Die, die dies bestellt hatten, waren sprachlos, es traute sich keiner anzufangen. Für ein paar Minuten saßen die Kollegen vor ihren blanken leeren Tellern, man konnte die Gedanken hören  – jeder dachte „so ein schei…. was mach ich bloß… hätte ich nur….“.  Ich weiß nicht, wer es war, einer nahm sich ein Herz und stellte fest, am oberen Teil - ist Fleisch und es schmeckt gar nicht mal so schlecht. Nachher lag ein Haufen abgenagter Knochen mit Krallen auf den Tellern, es blieb kein Beinchen über. Dirk, konnte sich nicht überwinden und hat sich mit Weißbrot vollgestopft. Die Erwartungen waren etwas anderes. Andere Länder andere Sitten. Im Hotel angekommen saßen wir noch weit nach Mitternacht draußen und tranken Hauswein.



Die Schlucht von Torla

Von St Engrace fuhren wir hinauf zum Grenzübergang Larrau. Die Strecke war nicht nur grottenschlecht, sondern auch noch voll mit Rollsplit. Als wir stoppten, erhielt ich eine Standpaucke von Norbert „der Rollsplit fliegt bis zu den Armaturen hoch“, ab jetzt keine „weiße“ Strecke mehr „morgen suche ich die Strecke aus“ dann fahren wir nur noch auf „roten“  Straßen.

Es blieb uns aber keine andere Wahl wir mussten erst mal weiter auf „weiß“, aber es war wie ein Wunder auf der spanischen Seite. Eine Straße wie geleckt, keine Ausbesserrung und eine Kurve schöner als die andere. Nach kurzer Zeit ließen wir die Mopeds fliegen, jeder war froh endlich mal wieder ohne buckeln und ruckeln - schön durch die Kurven zu gehen. Diese schöne Strecke konnten wir über eine Stunde genießen und entschädigte uns,  für so manche schlechte Strecke von den letzten Tagen. Wir machten einen kurzen Abstecher zum Stausee Embalse de Yesa. Die spanische Seite war schön warm, es hatte hier mehrere Wochen schon nicht mehr geregnet. In der Mittagspause haben wir uns einen Gasthof mit TV gesucht. So das wir Michael Schuhmacher Formel 1 sehen konnten. 

Über Enaquea, Aratores, Guasa erreichten wir Torla. Eins der schönsten Dörfer in Spanien, die meisten Häuser waren aus Natursteinen gebaut und hatten Schieferdächern. Torla ist das Eingangstor zum Ordesa Nationalpark, es gibt einen Wanderweg nach Gavarnie zur französischen Seite ca. 15 km. Wir waren von dem Tal und den bizarren  Felsformationen  und den grandiosen Steilwänden sehr beindruckt. Am Rio Arazas sind wir an einer Straße weiter in den Nationalpark gefahren, man nennt dies das Tal der Wasserfälle. Einer heißt „Cola de Caballo“  was so viel wie Pferdeschwanz heißt.

Die Berge sind hier um die 3.000 m (Monte Peridido 3.355 m; Tabacol 2.715 m) es kommt einen höher vor, da das Tal sehr tief eingeschnitten ist und die Berge sofort steil nach oben gehen. Nachher hatte ich erfahren, es gibt im Nationalpark ca. 1.500 Pflanzenarten, weiterhin gibt es hier ca. 40 m hohe Steineichen, die es mit einer solchen Höhe nicht woanders in Europa gibt.

Auch sind hier seltene Tiere wie z.B.  Gänsegeier, Luxe usw. zuhause.  Wir konnten uns nur schwer von diesem schönen Tal trennen und wären gerne noch geblieben.  Es lud gerade dazu ein, einen schönen Spaziergang oder Wanderung zu machen. Wir fuhren bis zum befahrbaren Endpunkt des Tales, bevor wir wendeten und unsere nächste Etappe in Angriff genommen haben.

Von Torla sollte unser nächstes Ziel Esterie d’Aneu sein, ca. 260 km. Auf der N260 ging nach Ainsa, Richtung La Collades über den Puerto de Foradda.

 Als wir weiter fuhren sind wir durch mehrere verlassene Dörfer gekommen. In Spanien gibt es viel mehr Dörfer die von ihren Bewohnern schon vor Jahren aufgegeben worden. Es stehen nur noch die Außenmauern und teilweise die Dächer. Es muss hier eine richtige Landlucht gegeben haben.


Bergdorf ohne Bewohner in Spanien

Weiter hinauf zum Col de Fadas, hier machten wir unsere Mittagspause. Bis jetzt zu diesem Zeitpunkt hatten wir blauen Himmel, aber wir sahen am Horizont eine dunkle Wand aus Regenwolken auf uns zukommen. Kaum waren wir fertig fing es schon an zu tropfen. Von der N260 ging es auf die N230, leider ließ es sich nicht vermeiden, aber bei dem Regenwetter waren wir über den 5 km langen Tunnel froh. Normallerweise haben wir wegen der schlechten Luft versucht die Tunnel zu vermeiden. Hinter dem Tunnel in Causac bogen wir auf die C28 in das Tal des  Rui Granada de Ruda ab. Es wurde wieder schön kurvig, leider waren die Straßen nass und schlecht einzuschätzen. Auf dem Port de la Bonaigua (2.072 m) machten wir kurz halt.  Dann fuhren wir im Regen in vielen kleine Kurven herunter nach Esterie d’Aneu. Trotzdem die Straßen hier in Spanien besser waren, waren wir ziemlich geschafft. Das Hotel hatte auf der einen Seite die Dorfdurchgangsstraße auf der anderen einen reißenden Gebirgsbach, dies war nichts für Menschen mit Blasenschwäche. In Esterie d’Aneu machten wir nach dem Duschen einen Spaziergang durch den Ort. Viel zu bieten gab es nicht, ein Hotel und zwei Restaurants. Nach unserer Ankunft hatte es zwar aufgehört zu regnen, aber die Wolken hingen noch tief im Tal. Jeden Abend so gegen 20:30 verschwand unser Wolfgang, der einzige mit einem Einzelzimmer und war dann meistens nicht mehr gesehen. Ein sehr lobenswerter Lebenswandel denkt man. Wolfgang war frisch verliebt und quatschte sich meist am Telefon fest. Eigentlich Schade, für uns allerdings gut, da die Getränkerechnung am Abend immer durch alle Fahrer aufgeteilt wurde.

Am nächsten Morgen bekamen wir wieder ein typisch pyrenäisches Frühstück – der Kaffee war so stark und bitter, ohne Milch überhaupt nicht trinkbar, dazu ein Baguette mit abgepackter Marmelade.  Das Einpacken war zwischenzeitlich zur Routine geworden, weiter ging nach Bellver de Cerdanva. Wir waren kaum eine Stunde gefahren und hatten eine Tankpause eingelegt, nach dem Starten meiner BMW – Motor aus und sagte keinen Ton mehr. Ein erneutes Starten funktionierte nicht, Motor drehte aber zündete nicht. Zündkerzen gewechselt, alle hatten gute Ratschläge, aber nichts half. Nach gut einer Stunde sprang der Motor wieder an, erst ein Zylinder dann der Andere. Jetzt tat meine Kuh so als ob nichts gewesen war. Ich war stinke sauer. Die nächste BMW-Vertretung war in Andora dies lag auf dem Weg. 

Meine BMW GS 1100 sagt keinen Ton mehr  

Auf der C-13 ging es über Sort auf die N260 über den Col del Canto in Adral bogen wir ab in östlicher Richtung auf die N260 weiter auf die N145. Der Motor meiner BMW hatte zeitweise kein Standgas, auch fiel hin und wieder die elektronischen Armaturen wie z.B. Tank- und Temperaturanzeige aus, aber das Motorrad fuhr. Hinter Farga de Moles ging es über die Grenze, auf der CG1 erreichten wir Andora la Vella, total ungewohnt für uns, normallerweise waren wir alleine auf der Straße, hier gab es Ampeln und haufenweise Kreisel - es herrschte ein reger Autoverkehr. Nach kurzen Fragen fanden wir die BMW-Vertretung. Wir sollten die BMW hier stehen lassen und in ca. 2 Stunden wieder vorbei kommen. Wir machten eine Kaffeepause in der Innenstadt. Norbert hatte die Wartezeit überbrückt, in dem er an einer Tankstelle mit einen Hochdruckstrahler seine BMW gewaschen hat. Nach 2 Stunden waren wir wieder bei der BMW-Vertretung. Das Personal war mit der Fehlersuche überlastet, das Diagnosegerät zeigte zwar einen Fehler, aber man war ratlos was hier zu tun ist.

Wir entschlossen uns bei der Steuerung ein „reset“ durchzuführen, dies wurde dann auch auf unsere Anweisung gemacht, kostet 40 €. Die Anderen waren nach der Pause bereits vorgefahren, es machte ja keinen Sinn, dass alle hier warten. Nach dem „reset“ Gepäck drauf und los - Karl und ich waren froh - das volle Andora wieder zu verlassen und fuhren hinauf den Pas de la Casa zum Port d Envalira 2.407 m. Es bestand auch die Möglichkeit anstatt den Pass zufahren, durch einen Tunnel den Weg abzukürzen, die meisten Autos fuhren durch den Tunnel. Wir wollten aber den Pass fahren, esmachte wieder Spaß die Serpentinen hochzufahren. Es war hier kaum Autoverkehr. Hier oben lag noch Schnee und es war nur +4°C, unten in Andora hatten ca. +28°C – was für ein Unterschied. Wir waren mitten in den Wolken, die Wolken versperrten uns teilweise die Sicht und wir waren in einer Waschküche. Aber nach dem „Reset“ der Motorelektronik lief die BMW als ob nichts gewesen war.



Wieder am Mittelmeer

Etappe von Bellver de Cerdanya nach Argeles sur Mer 

Nun fuhren wir ein kurzes Stück wieder in Frankreich N22, N 320 und N20. In Puigcerda ging es wieder nach Spanien  nach Bellver de Cerdanya. Das Hotel war für unsere Verhältnisse eigentlich zu fein, Kellner im schwarzen Anzug mit weißer Servierte über dem Arm, in den letzten Tagen waren wir etwas anderes gewöhnt. Wir haben hier auch unser Abendessen eingenommen. Am nächsten Morgen haben wir unser Gruppenfoto gemacht, welches in diesem Bericht ganz zum Anfang abgebildet ist. Weiter ging über Figures dem Wohnort von Salvadore Dali an das Mittelmeer nach Argles sur Mer. Anfänglich gab es noch ein paar schöne Strecken und Ausblicke, jetzt verließen wir

die Pyrenäen. Man merkte der verkehrstechnische Alltag fing uns wieder ein. In den Pyrenäen sind wir manchmal stundenlang alleine gefahren, ohne dass wir andere Autos gesehen haben. Als wir einen der letzten Gebirgszüge überquerten verabschiedeten sich die Pyrenäen mit einem grandiosen Ausblick. Am  Port la Collada de Tosses stoppten wir auf der Anhöhe vor uns ein grandioser Ausblick, ein Spiel aus einem Band weißer blendender Wolken, darunter azurblauen Himmel, dazu die Gipfel, die aus dem Bodennebel heraus ragten. Das Tal vor uns war im Bodennebel verschwunden. Ein Farbspiel was man so schnell nicht vergisst. Wir haben angehalten und Ausblick bewundert.

Die Strecke auf der N 260 nach Figures hatte nichts Aufregendes. Ullie und Christoph wollten das Dali-Museum besuchen, den anderen war nicht der Sinn nach Kultur sondern mehr nach relaxen und dann an Meer zu fahren. Wir machten mit den Beiden als Ziel Argeles-sur-Mer aus und fuhren weiter.

Kurz vor der Küste fing die sonst so öde N260 wieder Spaß zu machen, hoch runter dann immer in kleinen Kurven an der Küste lang, es wurde jede Bucht mitgenommen. In Argeles-sur-Mer suchten wir uns erst mal eine schöne Strandbar, ich bestellte 4 Bier. Danach kam der Schock, 24 € … in den Pyrenäen hatten höchstens 1 € bezahlt, die Zivilisation mit allen ihren Vor- und Nachteilen hatte uns wieder. Das Hotel hatte keinen Hof und auch keine Garage, dies war uns nicht geheuer. Die Motorräder standen direkt an der Straße. Während des Essens konnten wir sehen, dass ein Rollerfahrer mehrmals langsam an unseren Motorrädern vorbei fuhr. Der wollte wohl Maßnehmen – welches Moped könnte ich wohl gebrauchen - um in der Nacht wiederzukommen. Nach dem Essen hatte der Hotelier in einem anderen Hotel einen Platz in einer Tiefgarage vermittelt. Jetzt konnten wir auch die letzte Nacht beruhigt schlafen.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter auf der D81 Richtung Narbonne. An der Küste mussten wir uns manchmal aufpassen, böiger Wind vom Meer, haute schlagartig an der Seite. Die letzte Fahrt  war sehr langsam, jeder froh dass es nach einer solchen Tour wieder auf den Heimweg ging. Vor Narbonne versorgten wir uns nochmal in einem Supermarkt mit Getränken und Baguettes. Vor dem dem Verladen mussten wir noch warten, so langsam trudelten noch weitere Motorradfahrer ein. Dann kamen die französischen Bahnbeamten gaben jedem Motorradfahrer zwei Gurte und gaben uns zu verstehen, wir sollten unsere Motorräder selber verzurren. Normallerweise gehört dies zu den Aufgaben von DB-Autoreisezug. Es kam zu heftigen Diskussionen mit den Bahnbeamten. Wir haben unsere Motorräder auf die Waggons gefahren und die Gurte über die Sitzbänke  gelegt, dann abgewartet. Als die Franzosen sahen, dass wir keine Anstalten machten die Motorräder zu verzurren, wurden sie langsam tätig.



Verladen in Narbonne

Nun hatten wir ein waches Auge, dass auch nicht unsere Maschinen verkratzt wurden. Wir sollten noch weitere negative Erfahrungen mit dem Personal von diesem DB-Autoreisezug machen.

Nachdem wir unsere Abteile bezogen hatten, setzten wir uns in den Speisewagen. Zu unserer Überraschung, es gab nur noch für jeden ein Bier, es waren sämtliche Bierbestände des Speisewagens aufgebraucht  - so ein Mist. Da die Zugabteile nur zur Hälfte und weniger belegt waren, machten wir es uns auch in dem anderen Abteil bequem. Dies wollten aber die Mitarbeiter von DB-Autoreisezug nicht. Kaum lagen Karl und ich in dem leeren Abteil, bollerte es an der Tür. Es gab einige Diskussion und wir mussten wieder zurück in unser altes Abteil – wie kleingeistig!

In Düsseldorf kamen wir um kurz nach 07:00 an, kalt, feucht und bedeckter Himmel. Wir waren etwas anderes gewohnt, das angenehme Klima von Südfrankreich. Schade es war vorbei. Leider ließ es die Zeit nicht zu, bis an die Atlantikküste im Norden zu fahren, dann hätten wir sicherlich 2 bis 3 Tage mehr benötigt. Wir mussten uns aber an die Zeiten von DB-Autoreisezug halten.

 Im Nachhinein können wir sagen, wir haben 8 aufregende Tage verlebt, haben viel Spaß gehabt und viel gelacht. Sicherlich, wird dies bei jedem von uns noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben, irgendwann können wir unseren Enkeln erzählen…   .. damals … in den Pyrenäen…. da war dies alles anders, nur ganze Kerle…..   …… usw…  .

Sollte jemand noch mal in die Pyrenäen fahren, gebe ich gerne Auskunft.

Bücher – Karten, empfehlen kann ich das Buch Pyrenäen DuMont Buchverlag, Köln ISBN 3-7701-4742-1, die Karten über dem ADAC sind für Motorradfahrer nur bedingt brauchbar. Folgende Karten sollte man sich mal ansehen „Pyrenäen mit Andorra ISBN 3-8317-7046-8  Maßstab 1:250.000“ sowie „Inst. Geogra Phique Nat. IGN die Karten 69;70;71 und 72 Maßstab 1:100.000“ und haben sich als brauchbar erwiesen.





 Grip eine sehr schön ausgebaute Straße, die nach einiger Zeit ab La Mongie sehr eng wird und schlecht wird, hinauf zur Route de Tourmalet. Auf dem Col de Tourmalet kam Christian kopfschüttelnd an, wörtlich „dies sind keine Straßen dies ist eine Mountainbikestrecke“. Die Auffahrt wir auch die Abfahrt ist sehr kurvenreich, teilweise gut ausgebaut, teilweise auch sehr schlecht. Die Serpentinen sind äußerst eng.