Französische Seealpen & Hochprovence 2009
Unsere eigentliche Planung sah vor, mit dem DB Autoreisezug von Deutschland nach Südfrankreich an die Mittelmeerküste um dann in die Provence zu fahren. Nach einigen Untersuchungen stellte sich heraus, dass es für uns günstiger war nach Oberitalien zu fahren und von dort aus nach Westen in die französischen Seealpen und Hochprovence zu fahren.

Mit dem DB-Autoreisezug ging von Hildesheim nach Oberitalien Alessandria und von dort weiter in die französischen Seealpen.
Am 28.08.2009 ging es los. Wir haben uns gegen Mittag bei mir in Elze getroffen, nach einer kleinen Stärkung ging es weiter nach Hildesheim. Wir, dies waren Norbert mit einer Ducati, Dirk mit seiner Arprilla, Karl mit seiner Kawasaki und ich mit meiner BMW GS.





Wie immer, durch einen Zufall, gerieten wir beim Lesen eines Fahrberichtes an eine Adresse für ein Hotel in den französischen Seealpen. Das Hotel hieß Bellevue in Beauvezer, dies war ein wahrer Glücksgriff. Das Hotel wurde seit 3 Jahren von einem niederländischen Pärchen bewirtschaftet.

Der DB Autoreisezug verließ Hildesheim um 16:35 von Elze aus waren wir in 20 Minuten am Bahnhof. Beim Verzurren der Maschinen, schafften es die Arbeiter, die Aprilla so tief in die vorderen Federn zu ziehen, dass das Motorrad hinten in der Luft stand. Da Norbert nur wenig Gepäck mitnehmen konnte, hatte er sein Hauptgepäckstücke per Post vorab verschickt, dies hat auch gut funktioniert.

In Hildesheim waren wir wohl nur 15 bis 20 Motorräder, aber in Neu-Isenburg wurden noch mal 6 weitere Waggons angehängt. Über die Schweiz ging es weiter nach Italien. Ankunft am nächsten Morgen um 07:25 in Alessandria. Wir stiegen mit unserem Gerödel aus und begaben uns zum hinteren Teil des Bahnhofs, um unsere Maschinen in Empfang zu nehmen. Italien empfing uns mit einem strahlend blauen Himmel und angenehmen 18 Grad. Nun kam ein Drama, die italienischen



Arbeiter zeigten uns, das hier das Wort „Arbeit“ oder „Hast“ nicht erfunden wurde. Im Zeitlupen-tempo wurden unsere Motorräder entzurrt und es durfte auch niemand an den Zug, bis auch das letzte Motorrad entzurrt wurde. Um 09:00 hatten wir bereit die 25°C Marke überschritten und wir mussten den Schatten aufsuchen. Gottseidank, um 10:00 konnten wir die Motorräder vom Zug holen, jetzt die im Zug benötigten Sachen verzurren und noch mal tanken (nur unsere Italiener). Mein Navi zeigte uns gleich den richtigen Weg aus der Stadt. Bis nach Beauvezer waren es noch 320 kilometer, dies dürfte normallerweise kein Problem sein.

Die erste Etappe führte uns aus Alessandria auf der SP 240 nach Nizza Monferrato weiter nach Castel Bollione hier wurde es jetzt schon mal etwas kurvig. Weiter auf der SP230 nach Terzo, SP 25 nach Bistagno, nach Bubbio, Cassole auf der SP11; weiter Castino SP429, Pedaggera SP57 nach Monteforte d Àlba`hier wurde es jetzt hügelig.

Weiter auf der SP11, SP211 über Boves jetzt wuchsen rechts und links so langsam die Berge. Dann ging es auf der „Via Roma - Strada Statale del Colle della Maddalena“, die Straße ist sehr schön ausgebaut und wir konnten zügig fahren. Rechts und links die Berge und die Orte und Dörfer wurden weniger. Es gab nur sehr wenig Autoverkehr, hier überraschten uns ein paar Serpentinen, die man vorher kaum erahnen konnte. Der Grenzübergang war der Col d`Larche 1691 m hoch mit 12% Steigung, wir machten kurz Rast und dann ging es weiter. Jetzt machte die Fahrt richtig Spaß, jetzt ging es Schlag auf Schlag eine Kurve nach der anderen. Weiter ging es über Barcelonnette auf der D 900/D802 hinauf zum Col d`Allos 2.250 m – die Kurven wurden enger. Rechts die Felswand, links eine Schlucht, seitliche Absicherung war hier Luxus. Als wir am Pass ankamen war es schon 15:00 und jeder sehnte sich nach einer Dusche und einem kühlem Bier. Der Hintern schmerzte und es ging weiter in ziemlicher Kurverei, die Straße hatte ziemlich viele Ausbesserungen. Wir kamen in dem Ort Beauvezer an, aber fanden erst mal kein Hotel.




Die Straße führt am Ort vorbei, das Hotel liegt an einem kleinen Platzt. Mittendrin im Ort, am Place du Village das Hotel le Bellevue, jeden Abend kommen die älteren Bewohner und spielen hier Boule.

Hotel Le Bellevue
Place du Village
F-04370 Beauvezer
Frankreich
Tel. 0033 4 92835160

info@lebellevue.eu
www.lebellevue.eu


Die Betreiber des Hotels sind Karin und Leo de Lijster, zwei Deutschsprechende Niederländer bei denen wir uns sehr gerne zu Gast waren und uns sehr wohl gefühlt haben. Beauvezer ist ein idyllisches Bergdorf, liegt auf ca. 1000 m Höhe am dem Fluß Verdon, der Ort selbst hat ca. 350 Einwohner, leider ein aussterbender Ort. Die jungen Leute ziehen in die Stadt. Der Ort ist im Herzen des »Vallee du Haut Verdon« im Departement Alpes de Haute-Provence. Hier ist die Zeit stehen geblieben.
Das Hotel ist 200 Jahre alt und hat nur 12 Zimmer, die Mauern mindestens 1,0 m dick – alles so richtig typisch französisch. Über eine ausgelatschte Holztreppe erreichten wir unsere Zimmer im 1. Stock. Die Zimmer waren sauber, die Betten waren o.k. Am ersten Abend wollten wir das Essen im Hotel ausprobieren, es blieb nicht beim Ausprobieren – es war ab dann - das abendliche „Highlight“. Französische Küche wie man es sich nicht hier in Beauvezer vorstellen konnte. Die Gäste waren hauptsächlich deutsche Motorradfahrer, während unseres Aufenthaltes waren eine Gruppe aus Pinneberg sowie auch 3 Pärchen aus England. Solange es die Temperaturen es zuließen haben wir abends vor dem Hotel draußen gesessen.

Die Tour zum Grand Canyon du Verdon war eine der schönsten Strecken die ich je gefahren bin. Es sind laut Tacho nur 260 km – aber aufgrund der schönen Landschaft und Aussichten braucht man den ganzen Tag. Von Beauvezer südlich auf der D908 weiter auf der D955 nach St. Andres les Alpes, dort wird die D955 kurzfristig zur N202, nach ca. 3 km weiter auf der D955 nach Castellane. Von St. Andres les Alpes fährt mehrere Kilometer am See dem Lac de Castillon immer am Ufer entlang, azurblaues Wasser. In Castellane biegt man ab auf die D52 Richtung La Palud Sur Verdun bevor es in den Ort geht, biegt man links auf die D23 in den Karten ist die Straße als Route des Cretes verzeichnet. Auf dieser Strecke fährt direkt am Canon lang.


Es ist Vorsicht geboten, hinter jeder Kurve steht irgendein Blödmann mit seinem Wohnmobil und bewundert die Gegend, ohne um sich um andere Verkehrsteilnehmer zu kümmern. Dies haben wir nur zu oft gesehen. Bis auf ein paar Kilometer Einbahnstraße hat man im Grand Canyon Gegenverkehr, die Kurven sind äußerst eng und wir haben uns zu oft gefragt, wie schaffen das eigentlich die großen Wohnmobile. Es empfiehlt sich die Tour wie beschrieben durchzuführen, wenn man den Grand Canyon und den Lac de Sainte Croix umrunden möchte. Mit ein bisschen Glück sieht



man auch Geier. Ohne Flügelschlag drehen die Geier im Canyon ihre Runden und nutzen hier die aufsteigende Thermik aus.

Im Dorf La Palud Sur Verdun stößt man wieder auf die D952, in nicht endenden Kurven immer am Felsen lang erreichen wir Moustiers-Ste–Marie, hier sollte man versuchen den Einstieg in die C23 Richtung Ste-Croix du-Verdun zu finden. Hinter dem Ort Moustiers-Ste–Marie sind ein paar Serpentinen äußerst eng und es sind 16% Steigung. Man denkt fast - jetzt bleibt das Motorrad stehen und ich falle um. Nach diesem Schrecken geht es fast nur gerade aus rechts und links sind Lavendelfelder zum Ort Ste-Croix du-Verdun.
Hat man die Tour wie wir soweit gefahren, dann ist jetzt Mittagszeit und eine Rast mit einem Bad im See tut einem gut. Das Wasser ist wunderbar azurblau und für einen Bergsee erstaunlich warm, leider war der Strand sehr steinig. Entweder Badelatschen mitnehmen oder mit Motoradstiefeln bis zur Wasserkante gehen. Am Strand sind jede Menge Fressbuden.. Pizza, Pommes..... usw.



In Ste-Croix du-Verdun stößt man auf die D111 jetzt geht es wieder kurvig weiter und man kann noch mal die schöne Aussicht genießen. Hinter einer Brücke geht auf der D71 kurvig weiter, die D49 und D 957 sind eher langweilig. Wir waren jetzt auf der Suche nach einer Tankstelle für unsere Freunde der italienischen Motorräder und mussten bis kurz nach Moustiers-Ste-Marie, die Tankstelle kannten wir schon von unserer Rückreise aus Korsika. Nach diesem kleinen Umweg fuhren über Aigues auf der Südseite vom Canyon auf der D71 und genossen nochmal die schöne Aussicht.
In Ponte-de-Soleis trafen wir wieder auf die D952 und traten den Rückweg an, um 19:00 erreichten wir unser Hotel Bellevue in Beauvezer und erfrischten uns erst mal an einem schönen kühlen Bier.

Tour Schlucht Georges de Daluis, Col de Bonette und Col de la Cayolle und Col des Champs. Am nächsten Tag machten wir uns auf dem Weg zur Schlucht des Daluis, von Beauvezer südlich auf der D908 über den Col de la Colle St.-Michel weiter durch Annot, ein kurzes Stück auf der N202, nach ein paar Kilometer abbiegen in die D902 die Schlucht des Daluis. Schon nach einigen Kilometern wird der

Felsen rot, das Tal wird enger, rechts und links sind nackte Felswände. In der Mitte der Fluss Var, das Tal Georges de Daluis gehört zu einem Nationalpark und es beherbergt seltene Pflanzen und Vögel.



Oft ist es so, das die eine Fahrbahn durch einen der unzähligen kleinen Tunnel geht und die andere außen an der Felswand einspurig vorbei. Links ist die aufsteigende Felsenwand, rechts ein kleines kniehohes Mäuerchen und dann geht es ca. 30 – 40 m abwärts in die Schlucht.

Dies ist ein einmaliges Schauspiel und verleitet zum öfteren Anhalten und zum bewundern der schönen einzigartigen Landschaft. Die Straße ist gut ausgebaut und man kann das Motorrad schön schwingen lassen ohne viel abbremsen zu müssen.

Aufpassen muss man vor Steinen und Geröll welches plötzlich hinter einer Kurve auf der Straße liegen kann, das rote Gestein ist sehr morsch und man sieht überall Spuren von Steinschlag. Gerade als wir mal wieder die aufregenden Schluchten, Felsspalten und Tunnel bewundern, hält neben uns eine BMW aus München. Ein Gast, den wir aus unserem Hotel kennengelernt haben, schließt sich unserer Tour an. Nach kurzer Zeit merken wir, dass Alfred vom Fahrstil und dem Drumherum zu uns passt und er begleitet uns die nächsten drei Tage auf unseren Touren. Weiter geht es auf der D28 Richtung Col de Valberg 1669 m hier machen wir eine Kaffeepause.



 Die Temperaturen Ende August sind morgens schon recht kühl so um die +5°C kommt die Sonne raus schnellt die Temperatur auf 20°C und höher. Über den Col de la Couilole auf der D30 weiter zur D 2205 Richtung St.-Etinne-de-Tinee. Dies ist das Anfahrtstal zu einem der schönsten Pässe dem Col de la Bonette mit 2802 m ist die der höchst zu befahrende Pass (asphaltierte Straße).

Als befestigte Straße wurde dies im Rahmen der Maginot-Linie nach dem 1. Weltkrieg gebaut, heute dient sie den Touristen, Motorradfahrern und der Tour de France. Wir hatten das unverschämte Glück und hatten Kaiserwetter, mit einem unvergesslichen Weitblick und Panorama der französischen Alpen. Auf der Nordseite fährt man noch über dem Col de Restefond 2678 m.


Über Barcelonnette fuhren wir weiter auf der D 2202 zum Col de la Cayolle 2326 m die Strecke dahin


war nur so von Straßenausbesserungen gespickt und war eine Freude für den Hintern. Noch waren wir auf einer Gelb eingezeichneten Straße es sollte aber noch besser werden. In dem Ort St.-Martin-d -Entraunes bogen rechts ab auf die D78, zum Anfang sah es aus, als ob wir über einen Holzsägeplatz fuhren. Die Straße wurde enger – dann einspurig und verschwand in engen Kurven im Wald, es


folgten Straßenausbesserung, jede Menge Frostaufbrüche, Steine und Äste auf der schmalen Fahrbahn. So richtiges geschmeidiges Motorradfahren war dies nicht eher ein Motorradwandern, ich fuhr vorweg die anderen folgten. Es wurde aber noch extremer, ohne große Vorwarnung folgten eine Reihe von sehr engen Serpentinen, selbst ich musste in den ersten Gang, gottseidank ging es bergauf.

Wir kurvten uns langsam höher, Dörfer oder Häuser gab es nicht, ich kam mir vor wie im Niemandsland. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn die Holperstraße einfach hier zu Ende wäre. Aber dann geschah ein Wunder, urplötzlich – zweispurig, griffiger Asphalt, Mittellinien – eine ausgebaute schön kurvige Straße vom Feinsten, hier konnten wir fahren wie der König von Frankreich. Kein Autoverkehr vor uns, kein Gegenverkehr – wir hatten wieder richtig Spaß. Nach ca. 10 Kilometer waren wir auf der Passhöhe dem Col de Champs – 2087 m alle waren begeistert, die Mühen der Anfahrt hatten sich gelohnt, der Ausblick war beeindruckend, es hatte Ähnlichkeiten wie in den Dolomiten.

Norbert stöhnte zwar über seine Knie, aber unsere Stimmung war wieder gut, die letzten Kilometer hatten uns entschädigt. Hier oben waren wir Mutterseelen allein, in der Höhe war es etwas kühler, deshalb brachen wir wieder auf. Kaum waren wir weitergefahren, wurde die Straße wieder schmal, einspurig und grottenschlecht. Das aller Beste sollte noch kommen, jetzt kamen Serpentinen so eng, das wir beim Einschlagen mit Lenkeranschlag fuhren. Im 1. Gang Schritttempo und nur auf der Hinterbremse so eierten wir um die Serpentinen, nicht nur eine Serpentine sondern ca. 20. Im Nachhinein fragten wir uns, wie kommt wohl ein Schneepflug hier um die Kurven, im Hotel erfuhren wir später, dass dieser Pass nicht geräumt wird und meist erst im Juni frei zu befahren ist. Dies war Abenteuer pur.



Ein Besuch der Festungsstadt Entrevaux ist sehr lohnend, von den Kaffees an der Durchgangsstraße kann man die alte Festung sehen.

Um in die Altstadt zu kommen, muss über eine alte Brücke über den Fluss Var. Von einem kleinen Marktplatz gelangt zum Aufgang zur Zitadelle



Ebenfalls sehenswert ist der Ort Colmars, alte verwinkelte Gassen, eine umlaufende Stadtmauer und ein schöner Wochenmarkt.
Wir haben noch diverse andere Touren unternommen, nach einer Woche mussten wir uns leider auf den Rückweg machen. Die Motorräder wurden am Abend vorher schon soweit wie möglich vorbereitet. Das Frühstück wurde auf 07:30 bestellt um 08:00 war Abfahrt. Was für eine Kälte, mein Thermometer zeigte +5°C, dankbar ist jetzt jeder der eine Griffheizung hat. Erst als wir auf die italienische Seite kamen wurde es wieder etwas wärmer.



Wir hatten großes Glück und konnten ohne Wartezeit direkt in Alessandria auf den DB-Autoreisezug. Anschließend wollten wir in die Stadt um etwas zu essen, aber alle Restaurants waren gerade dabei zu schließen.

Es blieb uns nichts anderes übrig als bei Mac Doof etwas zu essen. In Hildesheim erwartete uns bedeckter Himmel und Regen.